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Gedichte 31 bis 45

Meiner geliebten Mutter  |  Abschied von der Mutter  |  Zu spät  |  Sandmännchens Ferien  |  Urlaubstage  |  Frohe Stunden  |  Alkoholiker  |  Das dritte Enkelkind Meinem kleinen Enkel Das achte Enkelkind  |  Tod der Liebe  |  Maria Magdalena  |  Des Trinkers Frau  |  Trost der Nacht  |  Herbstgedanken  |  Die Greisin

 

Meiner geliebten Mutter

Und wieder ist ein Tag zu Ende.
Auf leisen Sohlen schleich' ich mich
noch ehe ich zur Ruh mich niederlege,
ins Zimmer meiner Mutter, sie zu segnen.
So stehe ich am Bett der alten Frau,
im Schein des Mondes seh' ich ihre Züge,
das müde, faltenreiche Antlitz,
wie friedlich es auf weißen Kissen ruht.

Wo ist ein Antlitz, drin so viel zu lesen,
wie in dem deinem, du geliebte Mutter?
Die Hoffnung und das Glück,
das Leid und auch Ergebung.
Doch scheint das schönste,
das dein schlafend Bild mir zeigt,
die Milde und die Güte der Vergebung.
Ja Mutter, du hast uns vergeben,
was wir durch Unverstand dir angetan.

Gott tröst' dich Frau und schenk' dir selig' Leben,
die du Ihm ähnlich warst im Lieben und Verzeihen.

 

 

Abschied von der Mutter

Nun hast du ausgelitten, Gute du,
ganz friedlich schliefst du ein,
so wie ich mir's gewünscht,
mir ist, als hättest du im Sterben noch erreicht,
daß dieser Wunsch sich mir erfüllt.

Wie du da liegst, so friedlich, kindlich arm,
so hingegeben ganz in Gottes Willen,
so magst du nun getrost in seine Hände fallen,
doch wer wird nun das Heimweh nach dir stillen?

Gott Dank, du warst uns lange Zeit gegeben,
daß sich dein liebes Wesen ganz mir eingeprägt.
So bist du Vorbild mir und ich werd's nie vergessen,
wie du geliebt, gesorgt, gelitten und gelebt.

Du bist nun immerdar an meiner Seite
und lenkst mein Tun durch deinen guten Sinn,
wie du zu werden will ich mühen mich,
das soll mein Vorsatz sein –
zum Dank an Gott und dich.

 

 

Zu spät

Es ist, als ob unsere Liebe schläft,
sie wacht erst auf, wenn der andere scheidet,
doch dann stehn wir vor verschlossener Tür
und unsere Liebe leidet.

So oft kommt unsere Liebe zu spät,
wir sparen an Zeichen und Zärtlichkeit,
doch wenn wir bereit sind, diese zu schenken,
erschauern wir vor der Vergänglichkeit.

Warum lassen wir unser Herz nicht sprechen
und ziehen so vieles andere vor?
Dann könnten wir unter Tränen lächeln,
sie kämen uns nicht so bitter vor.

Drum denkt daran, der Abschied wird kommen,
du kennst nicht die Stunde, du kennst nicht die Zeit,
doch hast du geliebt, so wird es dir frommen,
die Liebe reicht in die Ewigkeit.

 

 

Sandmännchens Ferien

Ich liege wach und denke nach
und faß' es nicht, daß ich nicht schlaf,
wo alles doch so friedlich.

Ich wälz' mich hin und wälz' mich her,
mal lieg ich rechts, mal links, mal quer
und find's doch nicht gemütlich.

Ich atme tief mal ein, mal aus,
laß auch die Schafe rein und raus,
doch will's mir nicht gelingen.

Ich hasche nach dem letzten Traum,
doch scheint es mir, ich werd' ihn kaum
für mich zurückgewinnen.

So geh ich brav hinein ins Bad,
wasch' mich mit kühlem Naß,
husch' schnell zurück, um mit viel Glück
zu finden meinen Schlaf.

Doch was der Kneipp darüber schreibt
und was mir oft gelungen,
heut' Nacht klappt's nicht, ich stelle fest:
der Schlaf, der will nicht kommen.

So geb' ich's auf, was soll es auch,
man kann doch nichts erzwingen,
und mach' mir Licht, um mein Gedicht
dann zu Papier zu bringen.

Ein letzter Trick fällt mir zum Glück
noch ein, ich lösch' die Lampe:
Ich tue so, als wär ich froh
mit all meinen Gedanken.

Es ist doch schön und so bequem,
denk' ich, und mollig warm,
und lächle still so vor mich hin,
mein Kissen unterm Arm.

Und bau' ein Schloß so riesengroß
mit Pferden und mit Wagen,
und sehe Park und Brunnen schon
und Diener auf mich warten.

Und alles Glück, das nur der Trick
der Luftschlösser kann schaffen,
erleb' ich nun und - wache auf
und habe gut geschlafen.

 

 

Urlaubstage

Am ersten Tag war's kalt und trüb’,
was kümmert's uns wir waren müd'
und hofften auf den Morgen.

Der zeigte sich mit trübem Blick
und sagte uns mit nassem Blick:
das nennt man Urlaubssorgen.

Am dritten zählten wir das Blau,
das fetzenweis' der Wolkenbau
verlor aus seinem Kleide.

Die Sonne hat's dann doch geschafft,
sie spann mit ihrer ganzen Kraft
das Grau in blaue Seide.

 

 

Frohe Stunden

Gibt es Schöneres auf Erden,
denn als Gast geladen werden?
Das hält unsre Welt in Atem,
besser fühlt man sich sogleich,
grauer Alltag, der ist fade,
Feste feiern, das macht reich.

Plötzlich ist der Alltag heller
und das Arbeiten geht schneller,
man vergißt die dummen Sorgen,
denn man denkt nur noch an morgen,
und so schnell vergeht die Zeit,
dann ist man als Gast bereit

Macht mit Blumen, macht mit Gaben
froh den Geber, der geladen.
Macht euch schön mit viel Geschick
und bringt gute Laune mit,
sodaß ungetrübt das Fest,
das man euch zu Ehren gibt.

Was gibt's Besseres als Lachen
und als andre glücklich machen,
Mahl und Frohsinn und Gesang
hält uns fit ein Leben lang.
Drum ihr Geber und ihr Gäste,
kommt zusammen, feiert Feste.

Ei, seid klug, denn ein Stück Himmel
könnt ihr auf die Erde zwingen.
Frohsinn ist uns nicht verboten,
Gutsein, das hat Gott geboten,
und an seinen guten Gaben
dürft ihr euch genüßlich laben.

Denn wozu gab Gott uns Wälder,
Seen und Fluren und die Felder,
Reh und Hirsch und Has' und Fisch,
wenn nicht für den Gästetisch,
Bier und Wein, die edlen Gaben?
Doch um sich daran zu laben.

Und am Ende lobt den Herrn,
danket Ihm für seine Gaben,
dankt auch denen, die geladen
und uns diesen Tag beschert.

 

 

Alkoholiker

Im Keller in dem alten Haus
da läuft ein großes Weinfaß aus,
das lockt' die Mäus' aus den Verstecken,
so kommen sie aus allen Ecken
und fangen auch gleich an zu lecken,
was man ja gut verstehen kann.

Der Wein ist gut, der Wein ist lieblich,
die Mäuse tun sich daran gütlich
und werden schließlich übermütig
und fangen gar das Tanzen an.

Und auf dem Höhepunkt des Festes
will jeder bringen dann sein Bestes
und trunken von dem köstlich Naß,
hat auch der Mäus'rich seinen Spaß.

Doch, wie bei Männern das so üblich,
sie werden kühn, sie werden mutig,
am Schluß dann auch noch übermütig,
hoch auf dem Fasse sitzt er schließlich.

Der Wein ist ihm zu Kopf gestiegen,
und er verkündet seinen Lieben:
Hört her, ich mache keinen Spaß,
ich geh' jetzt rauf und fress' - die Katz'!

Die Mäuse kreischen vor Vergnügen
und sehen schon den Schwanz da liegen
von dieser so verhaßten Katze,
die gestern noch 'ne Maus vernaschte
und schliefen ein und träumten heiter
von Heldentaten und so weiter.

Doch wie solch' Feste oft dann schließen,
am Schluß da tun die Tränen fließen.
War er auch sonst gar unausstehlich,
an diesem Abend war er fröhlich
und mußt' es mit dem Leben büßen.

Und traurig schlichen sie sich weg,
‘ne jede Maus in ihr Versteck
und waren an Erfahrung reicher
und hausten fortan auf dem Speicher.
Sie lebten glücklich, lebten wohl
und tranken nie mehr Alkohol.

 

 

Das dritte Enkelkind

Das dritte Enkelkind ist da,
Gott sei dank, es ist ein Mädchen.
Die beiden Brüder schrein hurra!
Sie stehn vor ihrem kleinen Bettchen.

Saskia, die Kleinste,
sagt der große Bruder da,
ist die Allerfeinste.
Ach, nun schaut, jetzt lacht sie gar.

 

 

Meinem kleinen Enkel

Wenn ich in deine lieben Augen schau’,
so leuchtet mir darin mein ganzes Glück,
ein strahlend blauer Himmel lacht mich an
aus deinem hellen, ach so frohen Blick.

Und morgens, eh der Tag noch recht erwacht,
begrüßen mich zwei kleine flinke Füßchen
die über mir durchs Kinderzimmer laufen,
das neue Leben eiligst zu begrüßen.

Dir blühen ja noch alle bunten Blumen
und alle Vögel singen nur für dich
und allen, denen du begegnest heute,
sie freuen sich mit dir und lieben dich.

Drum lauf, mein Bürschchen, spiel' und freue dich,
noch weißt du nicht, was dir das Leben bringt,
der Engel, der dich hält an seiner Hand,
noch weist er dich nicht aus dem Paradies.

 

 

Das achte Enkelkind

Ein stilles Glück ward mir beschieden,
ich hielt den kleinen Enkel so,
wie Mütter ihre Kinder wiegen,
ach, war ich glücklich, war ich froh!

Das Köpfchen lag an meinem Busen,
doch konnte ich die Augen seh'n,
die still und sinnend auf mir ruhten.
Ach kleiner Liebling, bist du schön!

Mir war, als würden diese Augen
mir sagen: „Endlich bist du hier,
ich will doch alle kennenlernen,
all, die mich lieben, bleib bei mir."

Es war ein Schau'n, so still und friedlich,
so, wie sich Liebende anseh'n.
„lch weiß, du bist die Oma Gertrud',
schien er zu sagen, „das ist schön."

Oh Kind, du lehrst mich neu vertrauen,
auf Gottes Gegenwart und Minnen.
Schickt Er dich uns, so wird er wissen,
daß auch dein Leben wird gelingen.

 

 

Tod der Liebe

Sie legten ihre Kronen nieder
und mit den Kronen ihre Würde auch.
Vorbei ist aller Hoheit, aller Schönheit Brauch,
vergessen Ritter- und auch Minnelieder.

Nur noch die Märchen haben ein Erinnern
an jene Zeit, die gut und kostbar war,
und welke Lippen sprechen noch: „Es war einmal',
Den Ungebor'nen singt man Sterbelieder.

Die Tugend galt's zu töten,
drum starb auch die Liebe,
die lang so opferfroh und heilig war.
Es steh'n die Frauen an der Totenbahr,
es trauern Kinder um die Mutterliebe.

 

 

Maria Magdalena

Am Anfang nur war ich das schwache Weib,
das Dir gefolgt um Dein Gewand zu küssen,
ganz unbemerkt, weil es nicht würdig war,
doch Heilung sich erhofft aus Kümmernissen.

Doch dann traf mich Dein Blick,
wie konnt ich glauben,
daß Du die Not nicht spürtest, die Dir nah,
und Dein Erbarmen fiel wie Licht in meine Seele,
die von den vielen Tränen längst gereinigt war.

Nun hast Du mich zu Dir emporgehoben
und stark ward ich, durch Deine Liebe rein.
Auf Golgotha will ich Dein Kreuz umarmen,
an dem mein Heiland hängt, der Welt zum Heil.

 

 

Des Trinkers Frau

Müde noch von letzter Nacht,
die beim Zechen er verbracht,
lenkt er seine schweren Schritte
an der Schenke heut' vorüber,
hat nicht Freude mehr noch Kraft
und daheim, die warten wieder,
atmen auf, wenn er erscheint,
und die Mutter hat geweint.
Ach es wird nur heute sein,
morgen wird die Kraft ihm fehlen,
kommt nicht an der Schenk' vorbei.

Grüß Euch Gott - sein Gruß klingt müde,
hoffnungslos der seiner Lieben.
Stumm und traurig und verzagt
sitzen sie beim Abendmahl,
das zu dürftig, um zu munden,
zu kummervoll, um zu gesunden.

Ein Gedanke - sie erschrickt,
ob es besser, er sei weg?
Nein, denn trotzdem blüht noch Liebe
in dem Herzen dieser Frau,
und der Mann erfährt es immer,
ja, er weiß es ganz genau.

Oder ist es nur noch Mitleid?
Oh, das Herz ist voll Bedrängnis,
bittend: Laß sein Beispiel nicht
den Kindern werden zum Verhängnis,
bewahre sie vor solchem Schaden,
ich will gern das Kreuz noch tragen.

Früher freilich war es nicht so,
da war immer Streit im Haus,
denn die Frau wollt' es erzwingen,
daß der Vater käm nach Haus.
Aber das ist lang vorüber,
Streiten hat nicht solche Kraft,
und den Kindern gegenüber
war's nicht recht, was sie gemacht.

Und so bangt und hofft sie weiter,
tut die Pflicht, wie's ihr gebührt.
„Mutter, einmal werd' ich's schaffen,“
sagt er nach dem Mahl gerührt.
Sie kennt dies, das sagt er immer,
längst ist sie daran gewöhnt,
doch bald glimmt der Hoffnungsschimmer
wieder neu, sie ist versöhnt.

Er braucht sie und auch die Kinder
brauchen sie, sie will es schaffen.
Gebe Gott ein gutes Ende!
Gebe Gott ein stetig Hoffen!

 

 

Trost der Nacht

Auf weichen dunklen Flügeln,
sanft bergend Tal und Hügel,
senkst gütig du, oh Nacht,
den Schleier kühl und sacht.

Wie reich bist du an Perlen,
die kostbar sind dem Leid,
oh laß sie leise fallen in deine Einsamkeit.

Dein Schweigen lauschet gnädig
auf jeden Laut, und sacht
trägst du Gebet und Seufzer
zu Ihm, der liebend wacht.

Ihr Boten unsres Gottes,
der uns so zärtlich liebt,
willkommen all ihr Nächte,
die ihr die Wunden kühlt.

Und neue Kraft und Hoffnung
in kranke Herzen senkt,
barmherzig seid ihr Nächte,
die uns der Vater schenkt.

 

 

Herbstgedanken

Goldfarben ist der Wald, die bunten Blätter fallen,
rauh ist der Wind und kalt der Sonne Schein,
die zwischen Stämme und durch Zweige schimmert.
Oh, niemals fühlt' ich mich so alt und so allein.

Wie oft bin ich durch diesen Wald gegangen
und sah ihn grün und auch im bunten Kleid,
es jubelte mein Herz, als da die Vögel sangen.
Wie lange war ich jung, wie lange Zeit.

Als Kind schon an des Vaters Hand
war ich so gerne hier und sang mein Lied
und lauschte still, wenn er der Vögel Namen,
die Art der Bäume und der Kräuter mir beschrieb.

Und dann mit ihm, den ich so innig liebte
schritt ich die Wege voller Heimlichkeit
und neckte mich mit ihm und lief ihm fort
und war dabei so voller Seligkeit.

Dann kam die Zeit, da kleine, flinke Füßchen
mal vor, mal hinter mir die Wege liefen
und frohe Stimmchen, helles Kinderlachen
das Herz in meiner Brust mir höher schlagen ließen.

Nun sind es meine Enkel, die da springen
und sich im Klettern gar so mutig zeigen
und ab und zu mir ihre kleine Hand,
so nebenbei, für ein Minütchen reichen.

Was stimmt mich nur so traurig heut, so müd,
als wollten niemals Wald und Wege enden?
Die Blätter sterbend mir zu Füßen sinken,
als wollten sie mir stille Botschaft senden.

 

 

Die Greisin

Ganz allmählich wurd' es dunkel
um sie her und sie verstand:
meine Augen werden trübe,
Herr, nun nimm mich bei der Hand.

Oft ging ich die eignen Wege,
statt der Deinen, Herr, verzeih.
Gib mir Licht für meine Seele,
daß nicht auch sie im Dunkel sei.

Löse mich von allen Dingen,
die so nutzlos sind vor Dir.
Gib mir Deiner Liebe Schwingen,
Hoffnung ist doch nur bei Dir.

 

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